Rottweiler: Emma

Hallöchen. Mein Name ist Emma, ich bin etwas über 2 Jahre alt und ein waschechter
Rottweiler. Jap, richtig gelesen. Ich gehöre einer heute oft verurteilten Rasse an.

Hier möchte ich euch ein bisschen was über mich und diese Rasse erzählen, damit ihr siebesser kennen- und vielleicht sogar lieben lernt. Zu Beginn stellt sich die Frage, woher der Rottweiler eigentlich stammt. Einigkeit bzgl.dessen herrscht darüber, dass der Rottweiler bereits vor ca. 150 Jahren in der gleichnamigenStadt in Baden-Württemberg seine teilweise bis heute etablierten Funktionen erfüllte. Alssog. Metzgerhunde halfen meine Vorfahren beim Treiben und Bewachen von Vieherden, beschützten Haus und Hof und erledigten so ziemlich jede Aufgabe, die einem Arbeits- undGebrauchshund gestellt werden konnte. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden sie sogar alseine der ersten Hunderassen im deutschsprachigen Raum im Polizeidienst eingesetzt undkönnen sich dort bis heute behaupten. Ziemlich cool, oder? Im privaten Bereich werden wirhauptsächlich im Gebrauchshundesport und als Wachhunde eingesetzt, als Treibhundedagegen nicht mehr. Wir sind nämlich prima im Fährtenlesen und bei derSchutzdienstarbeit.

Übrigens gibt es auch Quellen, die den Ursprung der Rasse in die Römerzeit datieren wollen, dies ist jedoch nicht eindeutig belegbar und somit hauptsächlich eine Spekulation. Es lässt sich allerdings sagen, dass der Rottweiler aus früheren Schäfer- und Treibhunderassen sowie anderen molosserartigen Rassen entstand: Bulldogge, Mastiff,Boxer, Schweizer Sennenhunde. Deshalb gehört der Rottweiler auch zur FCI-Gruppe 2 der Pinscher, Schnauzer, Molosser und Schweizer Sennenhunde.Die Verwandtschaft zu den molosserartigen Rassen ist optisch nicht zu übersehen. So ist derRottweiler ein mittelgroßer bis großer Hund, der durch seine Größe, dem bulligen Körperbau, der (zumindest in der deutschen Zuchtlinie) geringelten Rute und dem kurzenschwarz-braunen Fell Menschen und Hunde erstmal auf Abstand hält. Es gibt, soweit Muddiweiß, zwei verschiedene Zuchtlinien, die sich nur optisch unterscheiden: amerikanisch unddeutsch. Die Rottweiler der amerkanischen Linie sehen so aus wie ich: alles etwas schlanker(Kopf, Oberkörper), kleinere Körpergröße und das Ende der Rute ist stark eingerollt. Bei beiden Linien besteht auf Grund der Größe und des schnellen Wachstums erhöhte Gefahrfür HD und ED.

Wie bereits erwähnt, halten die meisten Menschen erstmal Abstand zu mir. Dies ist dem schlechten Ruf, welcher sich in den letzten Jahrzehnten festigte, geschuldet. Mein beeindruckendes Erscheinungsbild zog leider nicht nur Familien und Sportbgeisterte an, sondern auch zwielichtige Gestalten, die die Optik und meine hervorrangenden Fähigkeiten missbrauchten. Häufig wurde die Rute kupiert und der Hund zu einem einsamen Leben im Zwinger oder an der Kette verbannt. Die zweite Seite dieser Medaille sind schlichtweg fehlende Erziehung und/oder überholte Erziehungstheorien von Alpha und Dominanz. Ergänzend dazu gibt es zwei Typen von Rottweilern: Die einen haben eine kurze, die anderen eine lange Zündschnur. Entscheidend darüber, welchen Rotti man hat, ist die Zucht. Auf mich trifft eher Zweiteres zu. Das Ende vom Lied war häufig, dass der Rottweiler zugebissen hat, dies in der Presse landete und die Rasse verteufelt und als gefährlich eingestuft wurde. In einigen Bundesländern sind Rottweiler deshalb bis heute auf der sog. Rasseliste.

Auch meine Muddi hat in der Hundeschule gesagt bekommen: „Wenn du den Rotti nicht schnell in den Griff bekommst, steigt er dir aufs Dach und wird gefährlich.“ Ist natürlich super, dies beim Ersthund zu hören. Gar nicht beängstigend oder so. Also wurde viel gelesen, viel recherchiert und öfters verzweifelt. Nachdem wir nun langsam aber sicher die Pubertät miteinander überlebt haben, würde sie meinen Charakter folgendermaßen beschreiben: Freundlich, goofy/tollpatschig, aufmerksam, eifersüchtig, mutig, entspannt, geduldig, loyal, lebensfroh, neugierig, frech, meistens selbstbewusst. Es gibt nicht einen Tag, an dem ich meine Eltern nicht zum Lachen bringe. Sie lieben es mitmir Quatsch zu machen und meine spannenden Ideen zu verfolgen. Wer kennt sie nicht, die Bilder von den lustigen Gesichtsausdrücken eines Rottis? Zugegebenermaßen muss ich sagen, dass Rottis generell ein leicht zu lesendes Gesicht haben. Ich finde, das ist ein Vorteil gegenüber anderen Rassen.

Ob ich Interesse an fremden Menschen habe oder nicht, hängt davon ab, wie Muddi und Vaddi sich ihnen gegenüber verhalten. Ist es nur eine kurze Unterhaltung, muss ich meistnicht Teil dessen sein. Ich bin nicht ängstlich oder gar aggressiv, nur einfach nichtinteressiert. Gehört der Mensch für meine Familie zum Freundes- oder engen Bekanntenkreis möchte ich die Person unbedingt kennenlernen und begrüße sie jedes Mal so, als sei sie ein Kumpel, den ich zehn Jahre nicht gesehen habe. Unterhält sich jemand zulange mit meinem Eltern oder streicheln sie gar einen anderen Hund, kocht bei mir die Eifersucht hoch. Ob dies rassetypisch ist, sei zu bezweifeln. Ich denke, das ist eher ein eindividuelle Charaktereigenschaft. Grundsätzliche Skepsis gegenüber neuen Menschen gehört allerdings zur Rasse dazu. Ich wurde sehr intensiv sozialisiert, weshalb diese Eigenschaft wenig bis gar nicht bei mir bemerkbar ist.

Muddi bewundert übrigens besonders meinen Mut. Während sie in der Dunkelheit Angst hat, stelle ich mich potentiellen Gefahren und würde alles tun, um meine Familie zu beschützen. Mitendrin statt nur Dabei! Ich liebe es gemeinsame Abenteuer zu erleben und die Welt zu erkunden. Ich bin gerne mit meinen Menschen unterwegs und beobachte immer ganz genau, was sie gerade machen. Vielleicht kommen da die alten Gene des Treibhundes durch. Sind wir jedoch nicht unterwegs oder es gibt andere Dinge zu tun, kann ich auch mal zwei Tage nur schlafen. In der Ruhe liegt ja bekanntlich die Kraft. Wichtig ist es den Rottweiler nicht zu überlasten. Die Ruhe liegt uns im Blut. Wir müssen sie nicht erst lernen, wie es bei anderen Rassen der Fall ist, deshalb brauchen wir sie aber auch! Sind zu viele Reize um mich herum, bin ich schnell überfordert. Da ist eine ruhige und klare Linie aber auch Vertrauen zu den Bezugspersonen wichtig. Ich weiß, wo ich Sicherheit bekomme, wenn ich sie brauche. In solchen Situationen zeigt sich auch der starke Charakter der Rasse und woher ihr schlechter Ruf kommt.

Ist ein Rottweiler überfordert, wählt er,sofern er keine Alternativen kennt oder unter erheblichen Druck steht, den Weg nach vorne.Auch bei uns wurde dieser Weg in der Pubertät mehrmals getestet. Wichtig ist es keineAngst vor seinem Hund zu bekommen, sondern eine klare, ruhige und liebevolle Linie weiterzufahren. Dein Rotti hat nämlich auch viel Liebe zu geben! Er braucht niemanden, derAngst vor seiner Stärke hat und sie deshalb unterdrückt, sondern einen ebenso starken Partner an seiner Seite.

Trotzdessen ist er kein sensibler Hund. Dir geht es schlecht und du hättest gerne jemanden, der dich tröstet? Da bist du beim Rottweiler an der falschen Adresse. Wenn Muddi wirklich dolle körperliche oder seelische Schmerzen hat, lege ich mich schon mal zu ihr, aber das war es auch. Gleiches gilt auch für eigene Schmerzen. Rottweiler zeigen körperliche Beschwerden meist dann, wenn es fast zu spät ist. Deshalb unbedingt den Hund und etwaige Veränderungen genau beobachten.

Trotz den Ursprüngen der Rasse würde ich mich nicht als Intelligenzbestie bezeichnen. Ichbin zwar nicht dumm, aber manchmal brauchen die Murmeln im Kopf einen Moment längerum sich zu finden. Das sollte sowohl im Training als auch in der Erziehung berücksichtigt werden. Was lässt sich abschließend nun zur Rasse sagen?Überall steht geschrieben, der Rottweiler sei kein Anfängerhund. Muddi würde dagegen sagen, dass die meisten Rassen keine Anfängerhunde sind. Hunde brauchen immer Erziehung. Der Rottweiler stellt deine Entscheidungen in der Pubertät genauso in Frage wie andere Hunde auch, nur ist er eben größer, schwerer und stärker. Der Rottweiler braucht Konsequenz da, wo sie notwendig ist – genauso wie andere Hunde auch. Fährst du eine klare Linie, dann hat der Rotti irgendwann kein Bock mehr zu diskutieren. Das ist immerhinanstrengend auf Dauer. Eine gute Bindung und Verständnis für den Hund sind wichtig, damit er sein volles Potential entfalten kann. Beim Rottweiler sind dies vor allem Mut, Freundlichkeit und Loyalität. Es führen viele Wege nach Rom, der Rottweiler zieht dich notfalls hinterher.

@tagebucheinesteenagers_

Wer mehr über Emma erfahren möchte, kann auf ihrem Instagram-Profil vorbeischauen und ihr folgen.

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